Motorrad/ Allgemein/ Elbow Down

Thu, 6 Jan. 2022 by Thomas Bendler, approximately 5 min to read.


Jeder, der sich auf der Rennstrecke herumtummelt, findet es vermutlich cool, wenn er dort einen ähnliche coolen Style wie die Stars der MotorGP Szene fahren könnte. Reichte es früher aus mit dem Knie auf dem Boden zu schleifen, so muss es heutzutage mindestens der Ellbogen sein. Bei einigen Stars der Szene hat man mittlerweile bereits das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauert bis wir uns über “Shoulder-Down” in den Kurven unterhalten werden.

Aber gehen wir es schrittweise an, während das Knie auf dem Boden meistens “von selbst” anfängt zu schleifen wenn man einen leichten “Hanging-Off” fährt, gestaltet sich das Thema Elbow-Down deutlich schwieriger. Im Gegensatz zum Knie auf dem Boden ist zwar auch beim “Elbow-Down” der “Hanging-Off” die Grundvoraussetzung, allerdings ist es hierfür deutlich mehr Oberkörper Einsatz erforderlich. Das führt zu einer geänderten Arm-/ Handhaltung (Stichwort Schraubenzieher-Griff) wodurch der Ellbogen sich langsam aber sicher dem Boden nährt.

Pro-Tipp: Um es gleich vorweg zu nehmen, “Elbow-Down” ist eine Technik für die Rennstrecke. Das gilt generell schon ab dem “Hanging-Off”, aber um so mehr für den “Elbow-Down”. Um sicher im Straßenverkehr zu fahren, braucht es Übersicht, die hat man nicht wenn der Helm zehn Zentimeter über dem Asphalt “schwebt”.

Nun kann man sicherlich auch auf der Rennstrecke während Trainings/ Rennen versuchen den Ellbogen auf den Boden zu bekommen, so richtig empfehlen würde ich das aber nicht. Wie bei allen Dingen im Leben die man zum ersten Mal ausprobiert sollte man sich immer bewusst machen, wie viel der eigenen Aufmerksamkeit dafür erforderlich ist. Auch sollte man sich überlegen welche Auswirkungen ein solches Training für die anderen Teilnehmer auf der Strecke hat. Fahre ich z.B. auf einmal eine andere Linie oder bremse ich an Stellen an den ich sonst nicht bremse? All das erhöht das Unfallrisiko wenn man nicht alleine und in Ruhe die neue Technik trainieren kann.

Meine Empfehlung ist daher, sucht euch einen Veranstalter der ein Elbow-Down Training anbietet. Meine Wahl viel auf Race and Fun. Die Kollegen von Race and Fun bieten ein “Elbow-Down” Training an wo man in kontrollierter Umgebung den ersehnten Touch-Down schaffen sollte, also theoretisch, doch dazu später mehr.

Das Training das ich gebucht hatte, fand auf dem Flughafen Gelände in Hildesheim statt. Das Trainings-Setup ist recht einfach, ein Pitbike und eine mit Hütchen abgesteckte Acht. Im ersten Moment dachte ich: “Hmm, das ist jetzt aber überschaubar!”. Wie allerdings so oft, stellte ich dann aber schnell fest, dass das Ganze in der Form zum einen Sinn ergibt und zum anderen viel schwieriger ist als gedacht. Nachdem ich mich in meinen Lederkombi gezwängt hatte bestand meine erste Aufgabe darin auf dem Pitbike eine gleichmäßige Acht zu fahren. Ich fühlte mich nicht nur ein bisschen zurückversetzt in meine Fahrschulzeit vor dreißig Jahren, ich fuhr auf einmal auch den selben Mist wie vor dreißig Jahren zusammen. Also, wie war das nochmal, Knieschluss, Stützgas, Druck auf den Fußrasten, fehlt noch was? Ah, Blickführung vergessen, Mist! Nachdem ich also die ersten zwei Versuche damit verbracht hatte mich wieder daran zu erinnern wie man eigentlich richtig Motorrad fährt war dann im dritten Turn endlich das Knie wieder auf dem Boden. Hurra, dachte allerdings, das kann ich schon. Einen kleinen Unterschied gab es jetzt aber, es war schön gleichmäßig und flüssig, Zeit also für den nächsten Schritt.

Fairerweise muss ich hier zugeben, der nächste Schritt, sprich den Ellbogen auf dem Boden habe ich dann leider nicht mehr hinbekommen. Zwar hatte ich angefangen in den folgenden Turns den Oberkörper schrittweise viel weiter neben das Motorrad zu bewegen, den Lenker wie einen Schraubenzieher festzuhalten, es half aber alles nix. Mir fehlte schlicht die nötige Fitness die Bewegungen konsequent und mit der nötigen Lockerheit auszuführen. Irgendwann saß ich dann schnaufend wie eine Dampflok auf meinem Stuhl und beschloss es beim Versuch zu belassen.

Was habe ich also mitgenommen? Ich muss dringend was für meine Fitness tun, das ist und bleibt das A und O beim Motorrad fahren. Außerdem, egal wie lange man schon fährt, es ist extrem wichtig die Grundlagen beim fahren sauber auszuführen und nicht zu schlampen nur weil das meist trotzdem irgendwie passt und manchmal bequemer ist. Hat man beide Punkte im Griff, steht dem Ellbogen auf dem Boden, außer viel üben, eigentlich nix im Weg. Und selbst wenn es dann im ersten Versuch wie bei mir nicht klappt, so hatte ich dann doch reichlich Spaß auf zwei Rädern bei strahlenden Sonnenschein … und am nächsten Tag einen denkwürdigen Muskelkater … :wink:


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